#MeinliebstesGoethezitat

Natürlich sage ich hier nicht, wer das war und wo… JEMAND erzählte mir, sie habe nun Goethes „Faust“ gelesen, weil sie glaubte, man müsse das mal tun. Das allein für mich schon zweifach interessant: 1. Ich bin jemand, dem man das dann erzählt und 2. „man“ glaubt, den Faust lesen zu müssen.
Nun also JEMAND: „Ich habe den Faust gelesen, na ja, da stehen so viele Zitate drin, wo hatte er die alle her?“ Derlei triggert in mir vermutlich eine tiefsitzende Neurose, denn ich pruste nicht los vor Lachen oder reagiere nicht sonst irgendwie locker, ich versteinere und bemerke deutlich dieses „jetzt nur nix falsches Sagen“ -Gefühl in allen Knochen, Faszien und Hautzellen. Äh… um ja nicht verletzend zu sein murmle ich etwas vom kollektiven Unbewussten, in das „Faust“ längst eingegangen ist, und mache alles nur noch schlimmer, empfehle dann (und auch jetzt und hier) das Theater Kuckucksheim in Heppstädt, wo 2 Mann und ein Cello gelegentlich Faust I und II in eineinhalb Stunden genial und erheiternd auf die Bühne bringen, das muss man gesehen haben!

Zitate können Rettungsanker sein, Augenblicksurlaub, Horizonterweiterungen, den Kairos markieren im Strudel des Alltags, beglücken, verstören und sonstwie die Zeit und den Raum perforieren. Derlei finde ich überwiegend positiv. Zitate, es mögen die von Goethe sein oder gar Bibelsprüche, Aussagen der Mutter eines Freundes, die in unserem Bekanntenkreis geflügelte Worte sind oder auch nur dessen eigener Generalabwehrspruch, Antwort auf alles und jeden: „‚Es ist mir noch zu früh‘ sagte C.“ und schon wissen Eingeweihte, was gemeint ist, Es gibt natürlich hochwissenschaftliche Abhandlungen über Zitatgebrauch usw., das will ich hier nicht ausbreiten, denn ich genüge hier nur meiner morgentlichen Plauderlust. Jedoch möchte ich den #LiteraturwissenschaftimInternet-Leuten unbedingt die Centonen ans Herz legen, Textgebilde aus Zitaten, welche aneinandergereiht werden, um sich die Macht dieser Worte und Aussagen anzueignen (räusper… wie ich in meiner Dissertation anhand von Aurelius Augustinus „Bekenntnissen“ zeigen konnte).

Zitate, erkennbar modifizierte gar, können in aller Unschuld und ohne den Machtanspruch des Zitierenden ein Glück sein, auch, wenn man sie vielleicht gar nicht mehr wörtlich, sondern sogar nur ungefähr erinnert, macht ja nix, sie evozieren trotzdem eine einstmals beim Lesen oder Hören entstandene Bedeutung, nur wenn man sie aufschreibt oder weitergibt, sollte man sie vielleicht überprüfen. Zitate sind für mich auch manchmal in eine Art vor- oder nebensprachlichen Bereich eingetreten, und dies ist es, was mich interessiert: Geht es auch anderen so? Bisweilen habe ich eine rechteckige oder auch dreidimensionale Raumvorstellung, etwas das auftaucht und das in die Situation passende Zitat enthält bzw. meine Erinnerung daran… manchmal fällt der Wortlaut mir dann auch wieder ein. Primär jedoch ist es das Bewusstsein, dass es auf das aktuelle Geschehen ein zutreffendes, irgendwie in mir resilienzförderndes Zitat gibt, das ich einmal gut fand… und das gewissermaßen als Atempause auftaucht und mir Distanz verschafft, mit mehr oder weniger vielen Wörtern und manchmal sogar ganz und gar zitierbar…

Ein Ranking von lieben oder liebsten Zitaten habe ich nicht, merke auch, dass ich die am meisten lieben nicht unbedingt mitteilen möchte. Jedenfalls fand ich die #MeinliebstesGoethezitat“ – Aktion von @goethe_jw grossartig und musste dies hier noch loswerden…

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Cosi van Tutte

Heute Abend ab 19.30 h können wieder zahlreiche Menschen im Nürnberger Opernhaus mit „Cosi“ glücklich gemacht werden, es gibt noch Karten! Wir sahen es am 03.03., grossartig! Nach der genialen Skateboardinszenierung von „Xerxes“, die uns über alle Maßen gut gefallen hatte, fanden wir „Cosi“ eigentlich ganz brav und fast klassisch gemacht.

Vorbereitet durch die Kritiken erwartete ich, dass etwas Ungewöhnliches geschehen müsse – als ein Säugling zu schreien und quängeln begann, dachte ich also, dies gehöre dazu… Aber ach, das war nicht Teil des Stückes, eine Supermutter hatte tatsächlich ein Baby in den Zuschauerraum mitgebracht… Wie unfair! Ich bin selbst Mutter, erinnere mich noch gut an die Kleinkindzeit und daran, wie wichtig für mich z.B. die seltenen Opernbesuche waren, zum Auftanken der Batterien – da hätte dann kein fremdes Kind plärren dürfen, ich wäre verzweifelt. Und auch alle anderen Zuhörer, die Musiker, die Sänger – sie haben ein Recht eine auf ungestörte Aufführung. Menschen haben ein Bedürfnis und ein Recht auf besondere Orte, an denen ausnahmsweise nicht alles möglich ist – zum Beispiel eben nicht, ein krähendes Baby mitzubringen. Das hat mit Kinderfeindlichkeit absolut nichts zu tun! Hatten diese Eltern an dem Abend keinen Babysitter, stünden noch 9 weitere Termine in dieser Spielzeit zur Auswahl, um einen Babysitter zu suchen… Jede Mutter muss ausserdem lernen, ihr Kind für ein paar Stunden aus den Krallen zu lassen, wenn es sich sozial weiterentwickeln soll! Aber das ist dann nicht mein Problem. Ich bitte herzlichst, Kleinstkinder zu Hause zu lassen! Alles andere ist unfair gegenüber der Gemeinschaft. Und man stelle sich vor, dies sei ein Fall von Cosi van tutte, und alle machten es so!

Auch das ist unfair: Dieser wunderbare Opernabend bleibt im Gedächtnis haften als der, an dem ein Baby schrie. Dabei gab es ausser der wie immer stickigen Luft im Opernhaus absolut nix zu meckern!

Die Regie von Jens-Daniel Herzog war der Musik perfekt angepasst, das ist nicht gewöhnlich! Die Qualität des Orchesters mit Lutz de Veer überragend und der Gesang sowieso einfach wunderbar! Wonyong Kang bildete (wieder) eine Art zentrale Hörachse durch die Mitte des blühenden Gartens der Soprane und Tenöre. Andromahi Raptis hat bewiesen, dass man in Urdhva Dhanurasana singen kann (ich hätte es nicht geglaubt). Grüter/Milo/Platz/Elmadfa klangen einzeln so herrlich wie auch in Duetten, Terzetten, Quarteten… Ein wirklich beglückender Opernabend! Schön, dass am Ende gesagt wurde, dass es dem verunfallten Chormitglied wieder gut ging. Ich wünsche allen heute Abend viel Spass und einen ruhigen Hintergrund!


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„Manchmal gibt es eben nur Gewinner“ Martin Walker „Hotel Schräg“, Dörlemannverlag

Es ist ja doch manchmal gut, zu prokrastinieren: Weil ich das Buch „Hotel Schräg“ von Martin Walker, aus dem Schweizerischen Doerlemann Verlag nicht pünktlich zum Erscheinungsdatum hier bespreche, konnte ich entdecken, dass es tatsächlich Origami in der Kunst gibt: „R/A/U/M/Falten-Origami in der bildenden Kunst. Tomoko Fuse (Japan) und Heinz Strobl (Deutschland)“ heißt eine Ausstellung im Europäischen Künstlerhaus Oberbayern, dem Schafhof in Freising, die am 29.08. beginnt.

In Walkers Roman ist es eine junge Frau Namens Lola, (also Tulpe, wie wir lernen, von einem in diesem Buch, der viel Weltwissen aber keine Ahnung von der Welt hat), die am Anfang noch an zwei Fingern durch den Raum geschoben wird, am Ende aber unabhängig ist und erfolgreich hartes Metall zu Kamelen faltet – Origami in der Kunst also. Man könnte nun beginnen, auch alle anderen Anspielungen, Zitate, Geschichtchen und sonstigen Kunst-als-Staffagepassagen zu überprüfen und, evtl. mit Walkers sorgsam erstellter Bibliographie am Ende des Bandes, eine Aufarbeitung der Dadazeit in Zürich beginnen – aber wer will das schon, wenn endlich mal ein leichtes aber nicht dummes Unterhaltungsbuch erschienen ist und man es (fast) perfekt und wohltuend findet!

„Manchmal gibt es eben nur Gewinner“ kommentiert eine andere Figur, deren Schicksal mit dem Hotel Schräg oder auch dem „Slant House“ (die Freude des Lernens aller Wortbedeutungen und Variationen der Vokabel Slant sollte man sich dann doch machen) verbunden werden. Es ist alles ein wenig schräg, aber, wenn man an Kunst und Leben interessiert ist, sehr vertraut, was sich da ereignet. Ein wenig betrügen, ein wenig lügen, ein wenig Interesse wecken, weggehen, kommen, wieder weggehen oder hocken bleiben… Schicksale aus 4 Generationen von Menschen, die ein wenig abseits vom Mainstream versuchen, ein gutes Leben zu führen. Nebenher ein Spaziergang entlang der Höhen und Tiefen des letzten Jahrhunderts, durch die Namen von Künstlern bekommt der Leser das Gefühl der Vertrautheit; das Schicksal einer von den Nazis ermordeten Kälberreiterdadaistin fast schon die gewohnte Trauer der Bewohner unserer Region, gehört irgendwie dazu und erdet das Ganze. Alle anderen Märchen gehen gut aus in diesem Buch, und es wirkt trotzdem nicht dumm, man möchte es glauben, dass es in der Welt noch gut zugeht. Ein Paar kommt in ein abgelegenes Hotel, es werden Photos gemacht und als Relikte eines Künstlers behauptet, die unsymphatischte Figur des Bandes wird betrogen, was ihr aber nutzt, am Ende sind alle ein Stück weiter und glücklich (oder wenigstens in der gleichen schrägen Warteschleife, mit neuer Perspektive).

„Hotel Schräg“ macht einfach Spaß. Es kann einfach so gelesen werden, ohne dass man, gebeutelt vom realen Leben, fürchten muß, dass irgend ein Grauen einbricht, zumindest kommt man weit durch, bevor das, ein Lapsus, doch noch passiert. Es ist ja heutigentags fast eine Schande, wenn man Freude an der Literatur haben will. Hier kann man sich das mal gönnen. Eine nette Geschichte, sehr schön geschrieben und es stimmt einfach alles – bis auf die Geschichte mit den Kryptoveganern, die man  sich gerne erspart hätte, weil das Thema zu sehr betroffen macht. Das  hätte nicht sein müssen, bleibt wie eine nicht mehr zu glättende Origamifalte zurück, aber aus Papier, nicht Metall. Also… ich möchte Hotel Schräg unbedingt empfehlen, für den Sommer und überhaupt.

 

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WeddingWunderland von @quitzi und Ölat

Wedding heißt nicht Hochzeitsfeier, sondern es ist ein Viertel in Berlin.

Anscheinend wohnt dort der uns allen bekannte @quitzi, und gemeinsam mit einem Coautor, der eventuell Ölat heißt oder sich nur so nennt, hat er das Fanzine mit dem Titel „WeddingWunderland“ herausgegeben. Auf der Rückseite des Photo/Textwerkes der Untertitel „Überhörtes aus dem wunderbarsten der Berliner Bezirke.“

Wunderbar? Für Fans?

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Den im Glanz der Hauptstadt leicht zu überhörenden Weddingbewohnern wurde zugehört, im Vorübergehen oder aus der zufälligen Nähe. Die Kombination mit eindringlichen Photos der Weddinger Straßen und Gebäude gibt einen genauen Eindruck vom Leben dort – oder nur von einem Ausschnittt desselben? Ist es eine Auswahl von besonders schaurigen Gesprächen? Shocking und uncomfortable. Also, ich weiß jetzt, wo ich in Berlin ganz bestimmt nicht hin will. Ein Trost: „Das Miteinander der Kulturen im Arbeiterbezirk, wenngleich manchmal etwas holprig, funktioniert,“ das ist ja schon was!!!

Normalität und Gewohnheit, Ortsgebundenheit sind Themen, die nach mehrfacher Lektüre herausragen. Die Gespräche scheinen an diesem ihren Ort keinerlei Panik auszulösen, die böse Bemerkung wird von einem Lächeln begleitet; die „Kakophonie der Großstadt“ erinnert an Idyllstrukturen und selbst Beschimpfungen („Did is keen Fahrradweech!“) werden als sinnhaft empfunden und werden ggf. vermisst…

Es gibt Lichtblicke, z.B. kleine Töchter und besondere Nudeln, wunderschöne Weinranken und eine Art schräger Baudenkmale – „art brut“ made in Berlin. Manche der „überhörten“ Dialoge sind überwältigend, z.B. einer von „Zwei Jungen vorm U-Bahnhof Osloer Straße“ – allein deshalb sollte jeder in der Republik dieses Heft kaufen. Man erfährt etwas vom Leben in diesem Land, aus der Innensicht, und es scheint weit weg wie der Mond. Es macht beklommen, daran zu denken, dass dies ein „überhörter,“ nicht wahrgenommener  Bestandteil der Realität dieses Landes ist und dass politische Entwicklungen dort ebenso ihren Anfang – und eventuell ein Ende – nehmen, wie irgendwo auf der Welt.

WeddingWunderland zeigt einen Ausschnitt. Ausschnitte machen beklommen. Man – ich – möchte das Ganze sehen. Ich  möchte das Ganze sehen und erwarte durch die Sicht aufs Ganze eine Harmonisierung, wie ich gestehen muß. Es quält mich im Ernst, nicht zu wissen, was der volle Text auf dem Automaten der Titelseite zu bedeuten hat – auf einer Seite fehlen Buchstaben Irgendetwas Schmales, das man in Automaten verkauft um 1€, das entweder so beliebt ist, dass es ausverkauft wurde oder so nullig, dass man den Automaten vergessen hat und nicht mehr auffüllt.

AUTO-MA DEN        TO-MA DEN

Na ja, nicht fränkisch, sicher nicht, da wird berlinert und eine phonetische D/TProblematik gibt es nicht.

WeddingWunderland zeigt Ausschnitte aus dem Leben eines Berliner Bezirkes, willkürlich gewählte oder repräsentative? Gehörte Fragmente des Lebens im Wedding von Ölat werden mit Photos von @quitzi kombiniert, die bruchstückhaft verschiedene architektonische Gegebenheiten des Stadtviertels abbilden. Alle Perspektiven fächern optische und sprachlich-inhaltliche sowie sprachlich-soziale Aspekte des örtlichen Alltagslebens auf. Vielleicht findet der Weddinger dies alles nicht ungewöhnlich und leidet nicht etwa…

Was empfindet wer wann wo als normal und in Ordnung? Welchem Welterlebnisausschnitt begegnet einer mit Aufmerksamkeit und (man verzeihe mir die Wortwahl) liebender, kunstgebärender Hingabe?

Eine weitere Bemerkung auf der Rückseite des Fanzines „Mehr Wedding ist nur Boateng“ rätselhaftet nach der Lektüre. Ein Weltmeisterfußballspieler, vielleicht aus Wedding gebürtig, ein begeisterter, erfolgreicher Weddinger? Eine positive Perspektive, ein ins Weite führender Weltausschnitt? Vielleicht wird dies durch einen Selbstkommentar von @quitzi und Ölat irgendwann aufgeklärt. Besser wohl nicht, denn Kunst sollte man nie erklären.

 

 

 

 

 

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Ganz schnell ein Weihnachtsbuchtipp: der langsame „Kleine Strubbel“

Manchen tritt das herannahende Weihnachtsfest spät ins Bewußtsein, und man sucht noch nach dem einen oder anderen Geschenktipp. Steht man erst mal im Laden, ist das Überangebot destruktiv… hier also kurz vor dem Fest noch eine Empfehlung von mir aus der neuen – jetzt schon etablierten – Kindercomicreihe von Reprodukt http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&frm=1&source=web&cd=3&cad=rja&ved=0CE4QjBAwAg&url=http%3A%2F%2Fwww.reprodukt.com%2Fprogramm%2Fkindercomics%2F&ei=xwmwUqanBoqWswaL5oGIBg&usg=AFQjCNFMXvmre7JYTIgBqsoUOSF2t0t-0g&bvm=bv.57967247,d.Yms.

Dort gibt es bereits 4 Bände mit wortlosen Geschichten aus dem Leben des Kleinen Strubbel von Celine Fraipont und Pierre Bailly, die guten Gewissens als Comics bezeichnet werden können, da die Handlungsprogression von Bild zu Bild klar erkennbar ist, wie man es nüchtern ausdrücken könnte.

Der Kleine Strubbel ist ein niedliches schwarzes Wesen mit roter Nase, das einige Abenteuer erlebt, bei denen Neugier und Entdeckerfreude alle Ängste in den Schatten stellt. Auf diese Weise verbreitet schon ein Durchblättern der sorgfälltig gestalteten Bände gute Laune!

In aller Ruhe kann man mit kleinen Kindern Bild für Bild oder auch kurze Sequenzen, vielleicht auch mal mehrere Seiten, ansehen und sich gegenseitig erzählen, was da passiert, oder auch nur, was da zu sehen ist.

 Beispielsweise fällt der Kleine Strubbel ( im Band „Gemüsebeet“) in ein Loch am Boden, rutscht vorbei an … sind das Möhren? Rote Bete? … Würmern… und findet schließlich in einer kleinen Höhle seine freundlichen Käfer- und  Schneckenkumpel… gemeinsam steht man einer bösen (?) Wespe gegenüber und entkommt ihr … nach weiteren Abenteuern, das ist jedenfalls sicher, kehrt der Kleine Strubbel wieder sicher und um eine glückliche Erinnerung reicher zu seiner Mama zurück.

Früher gab es im Internet Filme vom Kleinen Strubbel, ich bedauere nicht, dass sie verschwunden sind, sie waren viel zu schnell, reizüberflutend… doch so ein gemeinsames, langsames Ansehen ist wunderbar, bringt zum Reden, Zuhören, genau Hinsehen… und vermittelt Lust auf Erlebnisse und Entdeckungen, gerade im Winter und vielleicht schnell noch zu Weihnachten!

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Ariol, ein Esel wie Du und ich #Comic

„Comics sollen wieder Kinderkram werden“ lautet das Motto der Kindercomicreihe von Reprodukt. Das Lesealter für „Ariol. Ein kleiner Esel wie Du und ich“ http://www.reprodukt.com/produkt/kindercomics/ariol-1-ein-kleiner-esel-wie-du-und-ich/  von Emmanuel Guibert und Marc Boutavant (14 €) ist mit „ab 6“ angegeben. Ich finde, Ariol ist besonders für 52jährige Leser geeignet und für alle, die der Meinung sind, Comics sollten auch mal wieder komisch sein, zum Lachen bringen. Das ist auch ein wenig verschüttet worden vor lauter Graphic-Novel-Kunst-und-Tiefgang! Welcher erheiternde Comic fällt uns schon ein? der nicht seicht und doof ist und sich nicht über jemanden lustig macht, statt lustig zu sein?

Ariol lesen macht einfach Spaß.

Ariol ist ein Esel mit Brille, im schulpflichtigen Alter. In der ersten Geschichte des sonnig-gelben Buches stellt er sich, allein mit einem Tennisschläger, der Welt vor. Ariol probiert das Leben aus, steigt in Rollen ein, um seinen Träumen näher zu kommen und mit seinen schlimmsten Befürchtungen fertig zu werden. Begeisterung und Ängste bestimmen sein Handeln gleichermaßen, und alles was ihn immer wieder rettet, sind seine Freunde (allesamt anthropomorphisierte Tiere), die notfalls mitrennen, nur weil er grade rennt, und die Tatsache, dass jeder in dieser Welt den gleichen Mist erlebt. Jeder ist auf seine Weise schrullig, ob Lehrer oder Oma, Fliege oder Kuh.

12 Geschichten aus Ariols Alltag enthält der erste, bereits erschienene Band, ein weiterer mit dem Titel „Hengst Heldenhuf“ ist für den Herbst angekündigt. Hengst Heldenhuf heißt im Franz. Original „Chevalier Cheval“, und, noch langweiliger, im Englischen „Sir Racehorse“. Da haben wir mit der deutschen Übersetzung ja Glück! Hengst Heldenhuf ist ein Superman, der übrigens, wir sehen es auf der vorletzten Seite ganz genau, gewöhnliche Schuhe trägt. Er bevölkert Ariols Träume, ist jedoch klar im Reich des Films und der Videospiele angesiedelt, denn Vollkommenheit, das ist die Botschaft des Bandes, gibt es sowieso gar nicht.

Im Grunde steht Ariol fast mit allen Hufen – also gut, nur mit zwei von vier, auf dem Boden der Realität, nur ein wenig muß er sich an Fiction und ab und zu an ein paar kleinen Schummeleien festhalten. So ist das Leben! Und zum Schlapplachen komisch ist es!

Es tut gut, Ariol zu lesen, und im Comic ist das viel schöner als im Videofilm, der hier jedoch nicht fehlen soll: http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=youtube%20ariol&source=web&cd=5&cad=rja&ved=0CEIQtwIwBA&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DndVXRuKYp6E&ei=Y7riUaLyE4TCswbCvIDgDA&usg=AFQjCNG5J0Dt7Sv45an_feOnpbVwK1zXQA

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Comics in der Stadtbibliothek Erlangen

Es gibt Menschen, deren Haupt- und Generalhobby das Lesen und/oder Sammeln von Comics ist. Sie geben all ihr Geld für Comics, Mangas, Graphic Novels aus und womöglich den Rest für Comictheorie, Merchandisingkram und Fahrten zu Comicfestivals. Sie tun es ihr Leben lang und kennen alles und jedes Sprechblasenlesefutter… Für Menschen wie mich, die ihre Knete für andere Dinge brauchen (wollen) , bietet sich zumindest theoretisch der Gang in die öffentliche Bibliothek an, um dort wenigstens einige der begehrten Titel faktisch kostenlos auszuleihen. Comics in der Bibliothek, gibt es das? Welche, warum, für wen? In der  Stadtbibliothek Erlangen habe ich mich danach erkundigt. Nebenbei habe ich Einiges über Rezeptions- und Anschaffungsgewohnheiten gelernt. Ich durfte mit Peter Wabel sprechen, einem engagierten Mitarbeiter, der unter anderem das Lektorat für Erwachsenencomics inne hat.

Comics werden für drei Altersgruppen angeboten

Der Comicbestand der Erlanger Stadtbibliothek, so berichtet Peter Wabel, umfaßt etwa 4000 Titel. Sie sind nach Altersgruppen geteilt – der Bereich der Kindercomics ist für Leser bis zu 10/12 Jahren geeignet, es gibt in dieser Gruppe etwa 1300 Bände in der Bibliothek, und ca. 1000 im Bücherbus. Für 12 bis 16jährige werden die als Jugendcomics kategorisierten ca. 600 Bände bereit gehalten; bei Eignung ab 16 gilt dann alles als Erwachsenencomic, 800 ausleihbare Medien sind das.  Comics, so erfahre ich, gehören zu den Bestleihern der gesamten Bibliothek, die Nachfrage kann kaum erfüllt werden: Im Erwachsenenbereich gab es im letzten Jahr ca. 6500 Ausleihen, bei Kindern und Jugendlichen und im Bus waren es insgesamt 39000. Schaut man sich vor Ort das Angebot an, muß man sich darüber im Klaren sein, dass nur die Spitze des Eisbergs zu sehen ist: Die Masse ist ausgeliehen! Insbesondere Neuerscheinungen sind fast immer unterwegs, in der Regel halten sich diese gesteigerten Ausleihzahlen für Neues ca. 2  Jahre lang.

Die Bibliothek ist kein Archiv

Die Bestandsgröße in der Bibliothek muß im Großen und Ganzen gleich bleiben, denn sie hat keine Archivfunktion! Das hat Folgen, wie Wabel erklärt: „Wenn ich merke, die Nachfrage ist nicht mehr da, dann fliegt ein Comic raus, auch wenn er vor 20 Jahren den Max & Moritzpreis bekommen hat und auch, wenn mir das innerlich weh tut! Aber unser Platz ist begrenzt… Beispielsweise hatte Enki Bilal einmal seine große Zeit, nun wurde er seit Jahren nicht ausgeliehen. Ich lasse noch ein, zwei Bände da, damit der Autor wenigstens noch erinnert wird, mehr geht nicht.“ Der Bestandsbetreuer kann am Computer genau verfolgen, wie oft ein Band ausgeliehen oder zumindest im Katalog angeklickt wird, und kann/muß entsprechend reagieren.

Mangas

Interessant: Man kann anhand der Ausleihdaten feststellen, dass im Erwachsenenbereich Mangaleser keine Comics/Graphic Novels ausleihen und umgekehrt! Ebenso überrascht, dass Mangas, wie Wabel beobachten kann, fast ausschließlich von Frauen und Mädchen ausgeliehen werden, und zwar vor allem im Jugendlichenbereich. Im Erwachsenenbereich gehen Mangas nicht, Wabel vermutet, dass dies an der für Erwachsene ungewohnten Geschwindigkeit und Leserichtung liegt. Deshalb werden so interessante Serien wie Psychodetectiv JacumoSwitch Girl, Bakuman, Black Bird etc.  in der Abteilung für Jugendliche angeboten.

Im Comicbereich gehen einzelne Alben besser als Gesamtausgaben, wie sie bspw. von Toonfish / Splitter vorgelegt werden.

Zur Graphic Novel als Sonderform des Comic hat Peter Wabel viel zu sagen, das wäre dann aber schon ein eigenes Thema…

Wer entscheidet, welche Comics in die Stadtbibliothek kommen?

Nicht in allen Gemeindebibliotheken gibt es eine wohlsortierte Comicabteilung, was daran liegt, dass es für viele Bibliothekare ein fremdes Gebiet ist. Der für das zuständige Gebiet tätige Lektor hat die Möglichkeit, direkt für die ihm bekannte Leserschaft relevante Lektüren einzukaufen, doch zumeist werden für öffentliche Bibliotheken bestimmte Comics über die sogenannte Standing Order eingekauft. Standing Order bedeutet, die Titel werden von der EKZ, der Einkaufszentrale für öffentliche Bibliotheken in Reutlingen eingekauft und mit einer neuen, robusten Bindung sowie einer schmutzabweisenden Schutzfolie ausgestattet und an die Bibliotheken versandt. Dem geht voraus, dass der Infodienst (ID) der EKZ in seinem Informationsblatt für Bibliothekare regelmäßig Buchneuerscheinungen mit Bewertungen versehen vorstellt. In je gesonderten Blättern werden auch Mangas und Comics angeboten. Die Bewertungen der EKZ enthalten Vorschläge zur Altersgruppenfestlegung, oft Empfehlungen, wie aktuell z. B. Doppeltes Glück mit dem Roten Affen von Joe Daly , aber auch Warnungen: Beispielsweise über den neuen Robert Crump ist im ID zu lesen: „Den kaufenden Bibliotheken sollte bewußt sein, dass dieser Band explizite sexuelle Inhalte zeigt“.  Immer  hat aber der zuständige Lektor die Freiheit der Auswahl aus Standing Order und auch der direkten Anschaffung. Peter Wabel erklärt: „Viele Bibliotheken arbeiten gerne mit dem Standing Order System, weil es nur wenige Leute gibt, die sich mit Comics beschäftigen. Es muß jemand wirklich Bescheid wissen, eine gewisse Passion dafür entwickeln, um das etwas individueller zu gestalten. Ich gehe regelmäßig in den Comicladen, und wenn die montlichen Neuerscheinungen kommen,  kann ich sie gleich einkaufen und in der Bibliothek einstellen. Das bedeutet konkret, dass die Mädels, die gespannt auf ihre Mangafortsetzung warten, sich nicht erst 3 – 4 Monate lang gedulden müssen. Wir wissen, was unsere Leser mögen und erwarten, und deshalb kaufen wir auch selbst ein!“ 

Auch die Bestandserhaltung kann nur durch eigenen Einkauf gedeckt werden, kaputtgegangene Ausgaben ersetzt Standing Order nicht, da kommt nur Neues, und nur einmal. Zerlesene Lucky Lukes und Co. müssen also selbst nachgekauft werden!

Wabel beobachtet sowohl den Markt als auch die Ausleihgewohnheiten seiner Leser: „Ich versuche hier einen Bestand für alle Bevölkerungsschichten parat zu halten, ich kann nicht nur Graphic Novel kaufen, ich muß auch den einen oder anderen Superhelden rein tun, Sammelbände, Fortsetzungen von Albenserien usw.“ Seine liebsten Informationsquellen  sind der Newsletter von Hummelcomic in Hamburg, einem Versandthandel mit monatlichem Überblick über Neuerscheinungen, dann

natürlich die Comicartikel in der FAZ und im tagesspiegel und Informationen in den Sozialen Medien.

Der Etat der Bibliothek für Comics ist natürlich begrenzt (Neuerscheinungen für 1000 € im Erwachsenenbereich und 1200 € für Kinder/Jugendliche, Austausch extra), doch es geht immer mal wieder noch was, zumal da die Mitarbeiter sich für Sonderaktionen engagieren, die ihren Resorts dann auch neue Fianzmittel erschließen. So veranstaltete die Stadtbibliothek im Zusammenhang mit dem Erlanger Comic Salon 2012 für Schüler der Wirtschaftsschule einen workshop mit dem Titel Wie kommt ein Comic in die Bibliothek? Die Jugendlichen durften mit Hilfe Peter Wabels einen ganzen Anschaffungs- und Einarbeitungsvorgang von der Auswahl bis zur Bereitstellung in der Ausleihe selbst durchführen, hierzu hat die Bibliothek einen Sonderetat in Höhe von 500 € bereitgestellt, der Bestand hat dabei so viel an Comics gewonnen wie die Schüler an Erfahrung!  

Zu guter Letzt gibt es auch noch einen Weg, auf dem Comics in die Stadtbibliothek gelangen können, die ich allen ans Herz legen möchte, nämlich die Schenkung von Lesern, Privatpersonen und Verlagen:

Comics können den Bibliotheken geschenkt werden! Das ist doch mal eine gute Idee, oder?

 

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„Achtung, hier kommt ein Karton!“ – Kindercomic „Kiste“

Ein offener Karton, der am Straßenrand steht – nur Dumpfbacken und Coachpotatoes würden ihn für Müll halten. Jeder Normalmensch, besonders ein Kind, sieht sofort tausend Möglichkeiten der Verwendung: Aufbewahrung, Basteln, Umgestaltung zum Puppenhaus, Hineinkriechen …  es könnte auch ein OmNom darin leben! Also, erst mal nach Hause damit, und nicht gleich wieder Messi genannt werden, bitte!

Der Anfang des Kindercomics „Kiste,“ von Patrick Wirbeleit und Uwe Heidschötter, (Reprodukt, März 2013, 72 Seiten, Alter 6+, 12 €) funktioniert genauso: Mattis, der menschliche Held der Geschichte, findet einen Karton, nimmt ihn mit nach Hause, um ihn zum Basteln einer Raumstation zu verwenden. Der Karton aber spricht und nennt sich selbstbewußt „Kiste“. Kiste und Mattis basteln zusammen und könnten nun friedlich vor sich hin leben – aber dann gäbe es keine Geschichten von hohem Erzählwert, und darauf warten wir ja alle. Also muß eine „Was-passiert-dann-Maschine“ gebaut werden, so heißt ein Kapitel des Comics, das das Ganze so richtig in Fluß bringt. Mattis´ Eltern erstarren, als sie Kiste sehen, und um sie zu retten muß ein richtiges Abenteuer im dunklen Wald, mit Zauberer und Schlangen und all sowas erlebt werden. Mit der Option zur Fortsetzung – der (übrigens sehr freundliche) Zauberer schenkt Mattis einen Schlüssel, der ihn zu Kiste zurückbringen kann – endet die Handlung aber noch nicht. Erst werden die Eltern noch davon überzeugt, dass nichts, aber auch gar nichts geschehen ist, was eine Tasse Kaffee nicht wieder gut machen könnte.

Von der ersten Seite an gefielen mir die sehr klaren Bilder, der lebensnahe Schwung und die sehr harmonische Art, das Geschehen zu visualisieren. Mattis erscheint, insbesondere durch die von Heidschötter virtuos gezeichnete Mimik, als ob er aus den Seiten springen und als ein lebendiges Kind seine Geschichte selbst erzählen wollte. Kiste, der vom Zauberer unterschätzte und lange zu wenig beachtete Karton, ist naiv und liebenswert, entzückend gezeichnet und einfach ein guter Charakter, den man wiedersehen möchte! Beide vermitteln in einfachen Worten und Gesten ihre Ängste, Ideen, Hoffnungen, ihr persönliches Wissen oder auch nur Vermutungen über die Welt sehr nachvollziehbar, wozu das lettering per Hand, klar und (danke!) lesbar ein Gefühl von Authentizität unterstützt. 

Den Beginn der Geschichte könnt Ihr auf der Seite des Reproduktverlages lesen http://www.reprodukt.com/product_info.php?products_id=472 – wenn das keine Lust auf mehr macht, weiß ich auch nicht. „Kiste“ ist erschienen als einer von sechs Comics für Kinder, die als neue Reihe bei Reprodukt erschienen sind – darüber habe ich schon in meinem Blogbeitrag über „Hilda und der Mitternachtsriese“ berichtet. Ich werde diese Bände nun auf Anregung von @quitzi hin in loser Folge hier besprechen und bin gespannt, ob ich hinterher weiß, was ein Kindercomic ist. Ich werde berichten!

Übrigens: Auf Patrick Wirbeleits Blog „Scherenschnitte“ kann man nachlesen, wie es zu „Kiste“ kam, eine nette Geschichte für sich http://scherenschnitter.blogspot.com/ !

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Lebt #Sherlock? Cecil & Brunschwig: „Holmes“

Weil Dr. Watson als Hobbit durch Mittelerde rennen mußte, müssen die Fans der BBC – Serie „Sherlock“ womöglich noch lange auf eine Fortsetzung der Geschichte jenseits des vermeintlichen Todes des berühmtesten Detektivs aller Zeiten warten. Inzwischen findet sich Trost im Graphic -Novel- Bereich: im Verlagshaus Jakoby Stuart, Berlin, ist  „Holmes (1854/1891?). Erster Band: Abschied von der Baker Street“ von Luc Brunschwig, gezeichnet von Cécil, erschienen (Original Franz. 2008) http://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/comic-graphic-novel/holmes-1854-%e2%80%a01891/. Die Geschichte spielt nach Holmes vermutetem Tod am Reichenbachfall. Die Handlung setzt ein am 09. Mai 1891, ein verzweifelter Watson sucht nach seinem Freund und findet einen Brief, in dem dieser von Moriarty erzählt. Im Weiteren ist alles wie gewohnt, Mycroft, Mr. und Mrs. Watson, Mrs. Hutson… übliche Verwirrungen, Verdächtigungen, Beobachtungen und Visionen… spannden und in toller Zeichenqualität werden die Nachforschungen über die Umstände von Sherlocks letzten Stunden aufzudecken versucht. Völlig neu ist in dieser graphic novel der Kunstgriff, die Vorgeschichte der Familie Holmes  vom Kennenlernen der Eltern an aufzurollen und die Gestalt Moriarty in der frühen Kindheit, als Hauslehrer der Familie, zu etablieren. Gibt es den bösen Moriarty überhaupt oder ist er eine Drogenphantasie Sherlocks, dessen Wurzel in einem Kindheitstrauma liegt? Gab es den Kampf im Erwachsenenalter am Reichenbachfall oder fand er schon in der Kindheit statt? Warum will dann eine Familie Moriarty den Ruf Prof. Moriartys retten? Ist Sherlock nur ein Selbstmörder? Als schräger alter Vogel tritt der Vater Holmes´auf, welche Rolle aber spielt seine merkwürdige Pflegerin?

Sehr spannend, sehr schöne Ideen und tolle Bildumsetzung. Schlauerweise bricht die Handlung ab und soll im Herbst 2013 mit dem zweiten Band „Der Schatten des Zweifels“ fortgesetzt werden. (19.90 €,  Großformat, Hardcover. Die Seiten sind nicht nummeriert).

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Klein?? Groß ?!? Hilda, Riesen und andere Kindercomics

Luke Pearsons „Hilda und der Mitternachtsriese“ gehört zu der neuen bei Reprodukt begonnenen Reihe von Kindercomics, die ab März 2013 erscheinen und über eine eigene website vorgestellt werden – www.kindercomics.info . „Comics werden wieder Kinderkram!“ ist witziger Weise das Motto der neuen Reihe, und dieser Wunsch enthält im Grunde ein Stück Rezeptionsgeschichte der Comics in nuce. Man denke an die Vorurteile gegenüber Comics, die insbesondere in Deutschland seit den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu überwinden waren, bis Comics als Literatur für Erwachsene anerkannt wurden. Die Zielgruppe Kind wurde indes lange Zeit – unbemerkt – innerhalb des Segmentes der hochwertigen, kunstvoll gestalteten Comics wenig berücksichtigt. Dieser Irrweg soll nun also verlassen und „für Kinder ab drei Jahren wie auch […] für Erstleser ab sechs Jahren inhaltlich und gestalterisch auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten“ (Verlagsprospekt Reprodukt) vor allem Freude am Comiclesen ermöglicht werden. Dass dies auch Erwachsenen gefallen wird, ist klar.

„Hilda und der Mitternachtsriese“ ist eine spannende Geschichte von überschaubarer Länge (44 Seiten), der  gut gestaltete Hardcoverband ist mit 18 € auf der Höhe guter Kinderbücher angesiedelt.

Hilda lebt mit ihrer Mutter in der Abgeschiedenheit einer  gebirgigen Gegend, in vermeintlicher Einsamkeit. Unsichtbar für die Bewohner des kleinen Hauses befindet sich nämlich vor der Tür ein von handlosen kleinen Wesen dicht besiedeltes Gebiet, das über regierende Bürgermeister, Premierminister und einen König verfügt. Es entfaltet sich ein der kindlichen Wahrnehmung sehr entgegenkommendes Geschehen, dass sich letztlich um die Unterschiede und die Relativierung von Groß und Klein, akzeptierter und nicht akzeptierter Lebensform, moralischem Recht und Unrecht, aber auch von Geduld, genau Hinsehen und Umdenken dreht. Dabei bleibt die Geschichte aber immer unterhaltend, ja spannend. Dies ist nicht nur dem plot, sondern besonders den detailreichen Bildern Pearsons geschuldet.

Manche Figuren in der Geschichte kommen mir vor wie Wesen aus kindlichen Fieberträumen und dies scheint ein sehr wichtiger Aspekt dieses Comicbuches zu sein. Identifikation, Wiedererkennen, Übertragen und Sich Freuen werden einfach in diesem Band, der kindliche Ängste und Bewältigungsphantasien gleichermaßen aufgreift und sichtbar macht.

Aus mancherlei Gründen sollten Hilda und ihre Mutter eigentlich aus der Einsamkeit in die Stadt ziehen, eine Option, die Hilda – man sieht es den ausdrucksvoll gezeichneten Augen der kleinen Heldin an – ganz schrecklich findet. So nimmt sie erst einmal den Kampf gegen die unsichtbaren kleinen Wesen auf, die Hilda und ihre Mutter aus ihrem Land entfernen und am liebsten deren Haus zerstören wollen. Mit Hilfe eines der Winzlinge lernt sie die Umgebung und ihre Bewohner zu sehen und verhandelt geschickt um ein Bleiberecht im Tal. Zunächst parallel dazu angelegt ist die Geschichte ihrer Begegnungen mit dem Riesen Jorgen, ein zunächst etwas erschreckendes Wesen von phallischer Form, das im Gegensatz zu Holzkugelmännchen und fliegenden Wollknäueln nicht gleich als in die Lebenswelt integrierbar betrachtet wird. Durch Gespräche mit dem nur zur Mitternacht auftauchenden, schüchternen  Riesen und durch die Lektüre eines Geschichtsbuches, das dessen Schicksal aufklärt, wird er jedoch zu einem hilfsbedürftigen Freund, dessen Geschichte sich überraschend zum Guten wendet und gleichzeitig zur Auflösung der Probleme Hildas und ihrer Mutter führt – wobei „Auflösung“ hier sehr wörtlich zu verstehen ist… Auf weitere Folgen darf man gespannt sein, denn nun wird Hilda in dieStadt ziehen und ein neues Kapitel ihres Lebens aufschlagen.

Der britische Zeichner und Illustrator Luke Pearson bezeichnet sich auf seiner website www.lukepearson.com als „writer and artist of the all-ages Hilda series of comics […]“ und stellt zwei weitere Hilda-Folgen  („Hilda Folks“ und „Hilda and the Bird Parade“) vor, die auf Deutsch zu publizieren sich der Reproduktverlag vorgenommen hat. Weitere interessante Graphic Novels und Illustrationen sind auf Pearsons Seite zu sehen, die man einfach mal besuchen sollte, wenngleich auch lieber ohne Kinder. In twitter findet man den Zeichner unter @thatlukeperson . Dem Reprodukt – Prospekt über die Kindercomics entnehme ich, dass Pearson für „Hilda und der Mitternachtsriese“ 2012 bei den British Comic Awards als Bester Kindercomic ausgezeichnet wurde.

„Hilda und der Mitternachtsriese“ ist ein sehr schöner Comic, den man wieder und wieder lesen und betrachten kann, da sich immer wieder neue Sichtweisen auftun und die vorkommenden Wesen sehr liebenswert und lebendig gezeichnet sind.

Leseprobe via Verlagswebsite: http://www.reprodukt.com/product_info.php?products_id=467 .

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