Plötzlicher #ebookfall – zwei Nichtempfehlungen

Zu Besuch in der Provence bei Barbara Fringuella hatte ich mir zum ersten Mal einen Ereader genauer angesehen. bisher war ich immer absoluter Gegner dieser neumodischen Art, statt in einem Papierbuch auf einem Bildschirmchen zu lesen. Um es vorweg zu nehmen: Ich kehre zu dieser Meinung wohl gerade wieder zurück und kann mir nicht vorstellen, noch ein ebook zu kaufen.

Zunächst aber fand ich an Barbaras Kindle einige Vorteile: die Leichtigkeit des Readers im Vergleich zu meinem Rucksack voller Ferienlektüre. Die Möglichkeit, das Schriftbild zu vergrößern. Erstaunt war ich über die Flimmerfreiheit. Nun ja. Zum Kauf eines Kindle hatte ich dennoch keine Lust, weil ich mich nicht an einen bestimmten Ebookanbieter binden will – wie komme ich dazu?

Als in twitter auf das Angebot eines preislich vergünstigten, unabhängigen Ereaders hingewiesen wurde, habe ich diesen bestellt. (Wunderbares twitter!).

Die Lieferung war schnell. Angeekelt entdeckte ich ein „Made in China“-Wapperl auf der Rückseite – ich hatte immer geglaubt, diese Firma sein japanisch… Hierhin wandern also die dem tibetischen Volk abgepressten „seltenen Erden“, na danke! Nun auch noch beim Lesen Strom verbrauchen ist auch absurd.

Als sehr schwierig erwies sich die Installation der mitgekauften Bücher auf dem Gerät. Hier muß sich der Hersteller noch was einfallen lassen – erst nach zwei Tagen des Herumprobierens wurde mir vom Service mitgeteilt, dass das Gerät nicht adobe – kompatibel ist und man sandte mir per mail mehrere Anleitungshifen. Mit der 3. kam ich zurecht. Inzwischen hatte ich bereits ca. 8 Stunden mit dem Gerät zugebracht, bis ich endlich beginnen konnte zu lesen – den 437 S. Roman hätte ich auf Papier in 8 Std. Lesezeit längst durch gehabt. Aber okay, aller Anfang ist schwer und das nächste mal ginge es schneller.

Nun also startete ich mit der Lektüre von Joanne K. Rowlings neuem Buch „Ein plötzlicher Todesfall“. Anfänglich fand ich die Geschichte witzig, ein wenig gemein witzig sogar, was mir gefiel. Viele Menschen kommen vor, und nun hätte ich eigentlich das Bedürfnis gehabt, ein wenig hin- und her zu blättern – wie hieß nochmal der Mann von Samantha und wessen Vater war der gewalttätige Simon? Aber ach, blättern ist nicht. Man kann zwar hin und her klicken, aber es ist schrecklich aufwändig und entnervt. Was ich außerdem unmöglich finde, ist dieses Einschalten – Hochfahren zum Weiterlesen – Runterfahren und Abschalten – ein Vorgang, der mir jegliche Lust nimmt, zwischenrein mal schnell ein paar Seiten weiter zu lesen. Der kleine Bildschirm ist mir unangenehm. „Daran wirst du Dich gewöhnen“ sagen mir die ebookfans rundum – aber mal ehrlich – warum sollte ich?

Argumente für das ebook sind für mich: mein hoffnungslos an allen Wänden von Büchern verstelltes Haus, kein Platz für Bilder, kein Platz für Viparita Karani und andere Yogaübungen an die Wand. Ein größeres Haus kriegen wir in diesem Leben nicht mehr. Da wir uns aber nur schwer von Büchern trennen, sollten wir mit der Anschaffung weiterer aufhören – weil wir immer weiterlesen werden, wären ebooks eine Alternative.

Dank der neuen öffentlichen Bücherschränke werden wir wenigstens einige Dubletten dennoch los werden, manches verkaufe ich auch im Internet — Auch Joanne K. Rowlings Buch würde ich im Internet verkaufen, wenn es ein Buch wäre, denn es ist zu schlecht, um hier aufbewahrt zu bleiben. Das anfänglich witzige Demaskieren der Menschen hinter ihrer Fassade nervt schnell, streckenweise ist es nur noch ekelhaft. Ein wenig Übertreibung mag einer Gesellschaftssatire natürlicher Weise eigen sein, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass es in dieser Gemeinde so gar keine normale Familie ohne verborgene Entsetzlichkeit geben soll. Lustig wird es nochmals bei Howards im Alkohol versinkender Geburtstagsfeier – ein volkstümlicher Schwank im 21. Jhdt. Aber der angeklebte showdown am Ende, bei dem mancher wundersamerweise geläutert oder aktiv wird, ist mir zu sehr melodramatisch übertrieben – und weniger glaubwürdig als das Auftauchen von Dementoren in Little Whinging. Irgendwie wartete ich bei diesem Buch immer darauf, das endlich irgendetwas passiert – aber „es“ passierte zu spät und war irgendwie zu dünn. Kommentierende Sätze wie „Das Nahtoderlebnis hatte sie offenbar von dem Bedürfnis befreit“ sind ein Schrecknis für sich und wie ein Schlag in die Magengrube…  Bemerkenswert dennoch, dass die Autorin, die keine Arbeit mehr nötig hätte, sich dieser Kritik aussetzt und weiter schreibt!

Ebooks aber verkauft man nicht im Internet. Man kann sie nichteinmal in der eigenen Familie weitergeben, wenn man nicht gleich mehrere Lesegeräte kaufen will – was die ebook – Vermarkter natürlich anstreben. Normalerweise bin ich es bei uns, die neue Bücher kauft, wenn ich damit durch bin, liest sie mein Mann und dann leihen wir sie manchmal auch noch Freunden aus. Das ebook kann ich nur mitsamt dem Reader weitergeben, was bedeutet, dass ich, bis mein langsam lesender Ehemann, der zu 400 Seiten 4 Wochen braucht, fertig ist, kein neues Buch mehr auf dem Reader lesen kann, da unsere Lesezeit zumeist gleichzeitig, am Abend und in der Mittagspause ist. Ebookreader sind also im Grunde nur was für Singles, oder für Familien, die sich „bis zu 6 Lesegeräte,“ auf die man das gekaufte Buch gnädigerweise laden darf, leisten wollen und können.

Desweiteren finde ich den Preisunterschied vom ebook zum gebundenen Papierbuch zu gering, ebooks müßten m. E. viel billiger sein, ich kann in der reinen Datenübertragung keinen vergleichbaren Wert erkennen. (Beispiel Rowling: 24,95 € gebundene Ausgabe, ebook 19,95 €).

Hoffnung am Horizont sehe ich für die Zukunft meines nun mal angeschafften Ebookreaders zweifach: Zum einen gibt es da die FrankenOnleihe, eine anscheinend segensreiche Einrichtung, die es ermöglicht, über Internet direkt auf den Reader Bücher auszuleihen. Dies kann ich mir theoretisch vorstellen, denn bislang habe ich die Stadtbibiothek deshalb nicht frequentiert, weil mir vor x-mal verliehenen Büchern gruselt. Während es Leute gibt, die sagen: „Ein Buch muß man riechen können“ ist gerade dies mein absoluter Horror – ich rieche es, wenn ein Buch in der Wohnung eines Rauchers lag, ich bekomme Allergiesymptome, wenn ein Buch in einem Haus mit Katzen war – nein, hygienisch ist das nicht. Also vielleicht Onleihe in Zukunft, die Idee ist zumindest toll. Oder ich schenke das Teil meiner Tochter; bei den Kids sind Ereader Statussymbole, warum auch immer.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.